Wild gewordene Kleinbürger_x*

Ein Abschiedsbrief an die akademische Linke

Wer twitter verfolgt, weiss es. Wir sind nicht nur Antisemiten, wir sind auch Sexisten. Wer Mao liest weiss auch:“Wenn wir vom Feind bekämpft werden; dann ist das gut; denn es ist ein Beweis, daß wir zwischen uns und dem Feind einen klaren Trennungsstrich gezogen haben. Wenn uns der Feind energisch entgegentritt, uns in den schwärzesten Farben malt und gar nichts bei uns gelten läßt, dann ist das noch besser; denn es zeugt davon, daß wir nicht nur zwischen uns und dem Feind eine klare Trennungslinie gezogen haben, sondern daß unsere Arbeit auch glänzende Erfolge gezeitigt hat.“ Mao Tse Tung, Wenn der Feind uns angreift, ist das gut und nicht schlecht, 1939

Im folgenden unsere Stellungnahme zu den Vorfällen auf dem feministischen Antifakongress in Hamburg vom 20-22.05.16.

Ein postmoderner Kindergarten und die materialistische Kritik

Wenn antideutsche Feministinnen uns in Anbetracht des postmodernen Publikums einsehend, dass sie und wir die materialistische Restvernunft bilden, verteidigen, dann weil der neue Faschismus nicht sagt:“Ich bin der Faschismus.“, sondern er sagt:“Ich finde das schwierig.“

Wo die Formulierung von Bauchschmerzen als wertvoller Beitrag zur Diskussion willkommen geheißen wird, ist das Kritikvermögen zur ewigen Wiederkunft der subjektiven Stellung degeneriert. Dort wird niemals eine Bestimmung der Sache geleistet, ständig wird das eigene Geschmacksurteil zur Schau gestellt, ganz so als redeten wir nicht über das Patriarchat, sondern über Erdbeereis. Dieser Ort ist die Universität, sein Millieu ist die linke Szene. Diese Horde soziologisch verbildeter Crustcorefans betreibt die Adoleszenskrise in Permanenz als pseudokritisches Selbstverwirklichungsprojekt in einer Subkultur des Grauens. Der mangelnde Wille zu Vernunft und Erwachsenwerden findet seinen adäquaten Ausdruck in dem Geplärre, das sich einstellt, wenn ein dutzend Idioten die Abwesenheit ihrer Lieblingsthemen im behandelten Thesenpapier für einen Einwand gegen es halten. Die Liste dessen, was nicht Thema war, ist unendlich, aber die wildgewordenen Kleinbürger gaben sich alle Mühe, sie vollständig aufzuzählen.

Männer für den immanenten Schwachsinn ihrer Identität zu kritisieren, empfanden die postmodernen Studierenden als unzulässiges Mitleid mit zu hassenden Tätern. Auch dies ein dem Inhalt des Arguments völlig äußerlicher Moralismus, der uns dafür verurteilt, seine Verachtung nicht mitzumachen, den man getrost mit angemessener Ignoranz behandeln darf.

Vielfach unzufrieden zur Kenntnis genommen wurde darüber hinaus, dass wir nicht von „Männlichkeiten“ sprechen, wenngleich auch das auskam ohne sich je inhaltlich zu uns zu stellen, sondern immer nur als subjektives Bedürfnis es eben anders zu tun, daherkam. Die postmoderne Strömung offenbart hier ein skurriles Nebeneinander von konkretistischem Tohuwabohhu und entleerten Abstraktionen. Wo nichts mehr einen Begriff bekommt, weil keine Bestimmung mehr gemacht werden darf, aber alles einen Namen hat, der nichts mehr ausdrückt als die moralische Anerkennung des Gegenstands, da erntet man Empörung, wenn man an „Männlichkeiten“ das Allgemeine und das Normative herausarbeitet, also den Begriff der Männlichkeit entwickelt, um diese zu kritisieren.

Viele Teilnehmende kamen danach auf uns zu und schilderten uns ihr Unbehagen, sich in der aggressiven Stimmung überhaupt zu äußern. Es ist unsere oberste Priorität bei unseren Veranstaltungen eine Form zu gewährleisten, die es allen klärungsinteressierten Teilnehmden ermöglicht, sich zu äußern. Das haben wir nicht geschafft. Bei allen, denen dadurch die Möglichkeit verwehrt wurde, mit uns sachlich über den Inhalt der Thesen, die Kritik an der durchgesetzten Norm männlicher Gesschlechtsidentität und patriarchalem Rechtsanspruchsdenkens, zu streiten, wollen wir uns dafür entschuldigen, dass wir nicht härter moderiert haben.

Leider konnte auch die Wiederholung des Workshops am Sonntagnachmittag nicht zur inhaltlichen Debatte genutzt werden. Mit der Verwechslung von Betroffenheit und Wahrheit kommt der subjektivistische Wahn der postmodernen Studierendenschaft moralisch aufgeladen daher, um niemanden zu widerlegen, aber jedem den Mund zu verbieten. So wurde dem weiblichen Teil unseres Referentenduos zum Vorwurf gemacht, dass sie sich als Frau zum Thema Männlichkeit überhaupt äußert. Dies wurde komplementär ergänzt mit dem Vorwurf an unseren männlichen Referenten, dass er als Mann Frauen etwas über Feminismus erklärt.
Mit dem Selbstbewusstsein der Gerechten versammelte se sich als Mob der überlegenen Moral, trug die Stühle aus dem Raum und blockierte den Eingang. Ausschlaggebend war dafür anscheinend das Ende der Diskussion vom Vortag. Hierbei ging es um die Ideologiekritik an übergriffigen Männern, die sich quasi einen aus ihrer Natur folgenden Rechtsanspruch auf die Ausübung ihres Begehrens denken und dieses Denken gewaltsam gegen Frauen praktizieren. Hierbei machte unser Referent transparent, dass er sich auf Erfahrungsberichte von Genossinnen und Gespräche aus Männerrunden außerhalb der linken Szene beziehe, und sich davon mit der Genossin zusammen einen Begriff gemacht hat. Dass er meinte aus der linken Szene, wo der unverstandene Antisexismus als Dogma wirkt, solches auf die eigene Natur rekurrierendes Rechtsanspruchsdenken von Männnern gegen Frauen nicht zu kennen, wurde ihm als Leugnung der Erfahrung von anwesenden Frauen ausgelegt. Inwiefern das Eingestehen des Mangels der eigenen Erfahrung die Leugnung fremder Erfahrung ist, begreifen wir bisher nicht. Zusätzlich wurde uns deshalb vorgeworfen, wir dächten, Linke wären die besseren Männer. Das ist besonders amüsant deshalb, weil die nächste These, zu der wir leider nicht mehr kamen, den auf den als Dogma wirkenden, unverstandenen Antisexismus reflektierenden, übergriffigen linken Mann thematisiert hätte. Der linke Mann, der nämlich nicht sagt, wegen seiner Natur, sondern wegen seiner besonderen Entsprechung mit der (linken) Moral habe er ein Recht auf Zuneigung durch Frauen, ist genauso hart zu kritisieren wie das Bauarbeiterklischee. Insgesamt wäre unser Workshop halt eine männliche Perspektive, womit die Frau auf dem Podium einfach mal durchgestrichen wurde, um uns das Recht auf Kritik am Patriarchat abzusprechen.
Obgleich es sein kann, dass die Beschränktheit der eigenen Erfahrung zu falschen Schlüssen führt, ist der Inhalt eines Gedankens für sich und im Vergleich mit seinem Gegenstand zu prüfen, statt auf die erkenntnistheoretisch-moralische Diskreditierung des Sprechers abzuzielen, wie es unter postmodernen Studenten en vogue ist. Denn über die Person statt über das Argument zu sprechen, ist so ziemlich die unsachlichste Scheißtour, die man so fahren kann (das gilt übrigens auch für Mao). Unsere Auslassungen über die Personen in diesem Beitrag kritisieren ja auch nicht ihre Standpunkte, sondern drücken lediglich unsere Verachtung für sie aus.

Während unsere Referentin, die als unser Referent schon längst aufgegeben hatte, noch versuchte unseren Workshop durchzusetzen, ca. zwanzig Minuten angeschrien wurde, fiel der Einwand, es wäre antifeministisch in einem „feministischen Raum“ wie der Universität, so einen Workshop zu machen, wir sollten lieber in die Fußgängerzone gehen. Richtig daran ist, dass Kommunisten besser mit allen anderen als solchen Idioten sprechen sollten.

Weiße Studierende werfen Rassismus vor…

Die überlegene Moral wollte leider nicht bei uns halt machen. Es hat wohl ein rassistisches Privilegienspiel in einem Workshop stattgefunden, außerdem ist jemand in einen spontan eingerichteten safe space gelaufen. Wir waren bei nichts davon dabei, und wollen das gar nicht bewerten. Was Mitglieder unserer Organisation beobachtet haben, war wie 10-20 weiße Studierende sich vor 100 Menschen Publikum selbst beweihräuchert haben und sich eine nichtweiße Genossin vor ihnen rechtfertigen musste. Relativ sprachlos waren wir über die von diesen Leuten selbstbewusst vorgetragene Forderung, am Sonntagmorgen alle Workshops ausfallen zu lassen, damit ausgerechnet unter deren Führung über Rassismus reflektiert werden könne. Was das bringen würde, haben wir während des Spektakels nicht verstanden. Folglich waren wir dagegen und haben am Sonntagmorgen unseren Workshop zu Faschismus und Antifaschismus geleitet. Nachdem unser Referent im Vorfeld mehrfach von irgendwelchen linken Schmocks vollgelabert wurde, dass man doch die sozialpädagogische Maßnahme unterstützend kein Alternativprogramm anbieten solle, wurde nochmal zu Beginn unseres Workshops gestört. Es leisteten dann ein paar Teilnehmende dem „antirassistischen“ Tugendterror folge und gingen nach nebenan. In der zweiten Hälfte störte die postmoderne Sittenpolizei nochmal unsere Diskussion und warfen unserem Referenten, der die Frechheit besaß fassungslos dreinzublicken vor, er solle mal nicht so raumnehmend sein.

Zusammengefasst: Fick die Uni!