Personenkult versus Leitgedanken: Die Klassiker, Gonzalo und Apo

Jeder kennt das. „Aber Apo hat gesagt“ und dann folgt irgendein Standpunkt, der wieder völlig ohne Argument daher kommt und man bleibt recht ratlos zurück, warum man das denn jetzt bitte einsehen soll. Ach, weil Apo das gesagt hat. Na dann.

Auch unter Kommunisten gibt es diese Marotte. Da fallen dann so Sätze wie „Du weist schon, dass du gerade gegen so ziemlich alle Grundsätze des Marxismus-Leninismus-Maoismus verstößt, oder?“ Ja, mag sein. Mach mal ein Argument draus!

Der Marxismus-Leninismus beruht gerade darauf, dass man die Linie den Leuten begreiflich macht, damit sie der Linie folgen. Die bewusste Disziplin in der Partei und die Massenlinie gegenüber den Massenorganisationen bestehen darin, dass man aus dem objektiven Wissen über die Verhältnisse die Revolutionstheorie begründet, um von der Revolution zu überzeugen.

Auch wir zitieren Marx, Engels, Lenin, Stalin und Mao Tse Tung. Warum? Weil sie die Leitgedanken unserer Wissenschaft formuliert haben. Sie haben den Klassenkampf geführt und studiert und damit das Fundament unserer Wissenschaft gelegt und sie fortlaufend im Klassenkampf weiterentwickelt. Wir studieren sie und wir empfehlen jedem es uns gleich zu tun, der die Revolution will. Sie haben das Argument schon gut formuliert, wir müssen es nicht zu jedem Thema selbst machen.

Außerdem schachern Revisionisten mit den Klassikern und es ist vorteilhaft, wenn sie um ihre Standpunkte zu verteidigen sich gegen die zitierten Klassiker wenden müssen, und so offenbaren, dass sie mit dem Marxismus-Leninismus nichts zu schaffen haben.

Selbstverständlich haben auch die Klassiker Fehler gemacht, sowohl in der Theorie als auch in der Praxis. Niemand ist Gott. Und deshalb findet man vernünftiger Weise auch nichts richtig, weil XY es gesagt hat, sondern weil es überzeugend ist. In der linken Szene wird das aber zu einem negativen Personenkult gemacht. Da darf man dann nicht mehr Stalins Text zur Partei empfehlen, weil Stalin hat ja Fehler gemacht. Das müsste man schon an seinen Ausführungen zur Partei nachweisen, dass sie falsch sind und nicht mit einem negativen Generalurteil über seine Person daherkommen. Die Antikommunisten haben keine Argumente gegen den Marxismus-Leninismus, deshalb werfen sie mit Dreck auf die Klassiker.

Der Unterschied von Personenkult und Leitgedanken wird besonders deutlich, wenn man sich das unterschiedliche Verhältnis anguckt, das die Partido Communista de Peru (PCP) und die Partiya Karkerên Kurdistanê (PKK) zu ihrer Führung einnehmen.

Nachdem der Vorsitzende der PCP Gonzalo festgenommen wurde und ins Gefängnis kam, erschien ein Brief in dem Stand, dass die PCP den Volkskrieg beenden solle. Daraufhin haben weite Teile der PCP gesagt, wir stehen auf unserer Linie, die von Gonzalo entsprechend der historischen Bedingungen in Peru aus dem Marxismus-Leninismus-Maoismus entwickelt wurde und den Volkskrieg beenden widerspricht dieser Linie. Scheiß drauf, was der Typ angeblich sagt. Entweder es ist eine Fälschung oder die Gefangenschaft hat ihn einknicken lassen.

Seit dem der Führer der PKK Abdullah Öcalan festgenommen wurde und ins Gefängnis kam, hat er etliche Male zum Frieden aufgerufen und zur weiteren Vernichtung der letzten marxistischen Reste in der Organisation beigetragen und wird immer noch als „Serok“ verehrt, und sein Name gilt noch immer als Ersatz für ein Argument.