Jennifer Lopez „Ain’t your mama!“: Bürgerlicher Feminismus

Der Song von Jennifer Lopez „Ain’t your mama!“ wird als feministische Hymne gefeiert. Was man dem Lied zu Gute halten kann, ist, dass ein Aspekt des Patriarchats und männlichen Rechtsanspruchsdenkens tatsächlich zurückgewiesen wird: Das Recht des Mannes auf Reproduktionsarbeit durch die Frau. Und es gibt auch ein kollektives Element, denn Jennifer Lopez spricht eingangs in einer Nachrichtensendung alle Frauen an. Negativ ist der Inhalt zu begrüßen, also in seinem Moment der Ablehnung der Stellung von Mann und Frau in einer Beziehung, aber der positive Gehalt ist zu kritisieren.
Denn die Kritik kommt nicht vom Standpunkt der Befreiung der Frau von Staat, Kapital und Patriarchat, sondern vom Standpunkt der bürgerlichen Selbstverwirklichung.

„We used to be crazy in love Can we go back to how we were? When did you get too comfortable? Cause I’m too good for that, I’m too good for that Just remember that, hey“
Die Kritik kommt daher vom Standpunkt der gekränkten Geliebten, die das Ideal der romantischen Zweierbeziehung einklagt auf die sie sich aufgrund ihrer persönlichen Entsprechung mit irgendwelchen gesellschaftlichen Idealen ein moralisches Recht denkt. Sei nicht so bequem, zeig mir, dass du mich liebst, denn ich bin toll und habe besseres verdient! Hier ist zu entgegnen, dass niemand ausgebeutet werden sollte. Auch eine Frau, die nicht den Idealen, die an sie angelegt werden, entspricht, sollte nicht dem Rechtsanspruchsdenken von Männern ausgeliefert sein. Unser Feminismus geht vom Standpunkt aller Frauen aus, und nicht nur von dem des beruflich erfolgreichen Freizeitmodels. Und materialistische Kritik geht nicht vom Ideal einer romantischen Zweierbeziehung aus, sondern kritisiert den Schaden den dessen Realität Frauen einbrockt.
„I ain’t cooking all day (I ain’t your mama!)I ain’t gon‘ do your laundry (I ain’t your mama!)I ain’t your mama, boy (I ain’t your mama!)“
Es mag kleinkariert erscheinen, aber es mutet schon komisch an, dass das bürgerliche Verhältnis der Mutter zu den Kindern einfach mal so abgesegnet wird. Es gibt überhaupt keinen Grund dafür, dass Kinder nicht entsprechend ihren Fähigkeiten in die Erledigung der Reproduktionsarbeit miteingebunden werden.
Dieser bürgerliche, idealistische Feminismus ist nicht unser Feminismus. Unsere Kritik am Patriarchat nimmt ihren Ausgangpunkt in einer Unzufriedenheit mit dem Elend der Frau im Patriarchat. Von diesem Ausgangspunkt wird sich dieses Elend erklärt, um einen praktischen Schluss zu fällen:
Weil das Patriarchat Ideologie und Gewalt ist, ist die feministische Praxis Agitation und Widerstand. Gegen die Ideologie helfen nur Argumente, und gegen ihre gewaltsame Praxis hilft nur Gewalt. Weil Männer vom Patriarchat bevorteilt werden, darf die Befreiung der Frau nicht von ihrem Wohlwollen abhängig sein. Es braucht feministische, militante Frauenverbände. Weil Kapital und Staat die materielle Grundlage für die Erhaltung des Patriarchats bilden, fallen die Interessen der Frauen und der Arbeiterklasse nach Befreiung zusammen. Denn der Widerspruch von Kapital und Arbeit und der von Frau und Mann lassen sich nur gemeinsam, durch die sozialistische Rätemacht, abschaffen. Dies werden wir in den nächsten Monaten noch ausführlich auf Veranstaltungen und in Texten begründen.

https://www.youtube.com/watch?v=Pgmx7z49OEk