Imperialismus und Volkskrieg

Im folgenden Thesenpapier wird das theoretische Fundament geliefert um die Kampagne des Revolutionären Aufbaus „G20: Nieder mit der Weltordnung des Kapitals!“ mit ihren Leitparolen „Klassenkampf statt Vaterland!“, „Für den Kommunismus!“ und „Volkskrieg bis zum Kommunismus!“ zu tragen. Ohne einen Genossen unserer Organisation ist das Papier höchstwahrscheinlich bloß sehr geschulten Marxisten zugänglich. Allerdings stehen wir gerne zur Diskussion unserer Thesen bereit.

Methodisch wird in diesem Papier der dialektische Materialismus1 angewandt. Ausgehend von der Erfahrung, dass sich alles stets verändert und in Bewegung ist, ist die Erkenntnis abgeleitet, dass allem ein Widerspruch inne wohnt. Allerdings muss der Gegenstand stets in seiner Gänze begriffen werden. Beispielsweise ist zwar das Verhältnis von Kapital und Arbeit ein Werden, ein Klassenkampf, aber offensichtlich hat es auch Bestand, ist ein Sein. Folglich wirkt in diesem Widerspruch nicht nur Gegensatz, der die Klassen gegeneinander treibt, sondern auch eine Identität, die die Klassen zusammenhält und zur gesellschaftlichen Arbeitsteilung bringt. Die Kapitalistenklasse will möglichst viel Leistung aus jeder Lohnstunde pressen. Die Arbeiter wollen möglichst entspannt arbeiten und viel verdienen. Das ist der Gegensatz. Die Kapitalisten wollen Lohn zahlen, weil sie Arbeit kommandieren wollen. Die Arbeiter wollen ausgebeutet werden, weil sie Lohn brauchen. Das ist die Identität. So kommt es ständig zu Klassenkampf, aber auch zu Korporatismus. So ist die Revolution möglich, aber auch der relative Fortbestand der Gesellschaft.

Bei jedem Widerspruch muss man sich immer die Seite der Identität und des Gegensatzes klar machen. Außerdem muss man sich klar machen, was die hauptsächliche Seite ist. Zwischen verschiedenen Widersprüchen muss man sich anschauen, welcher der Grundwiderspruch ist, der alle anderen bedingt und ohne den letztlich keiner gelöst werden kann, und welcher der Hauptwiderspruch ist, der aktuell alle anderen bestimmt. Dies ist wichtig um dem Anspruch gerecht zu werden einen revolutionären Materialismus zu formulieren, der auf die Praxis zielt, also eine Anleitung zum Handeln ist.

1. Das Kapitalverhältnis

Im Kapitalismus trennt das Eigentum die Gesellschaft in zwei Klassen; Proletariat und Bourgeoisie. Die Bourgeoisie hat das Eigentum an Produktionsmitteln und eignet sich per Lohnzahlung die Kommandogewalt über die Arbeit an, um die Produkte gewinnbringend zu verkaufen. Die Kapitalisten verfolgen diesen Zweck privat gegeneinander. Die Mittel in dieser Konkurrenz kosten Geld. Je mehr Geld, also Kapitalmacht, ein Kapitalist hat, desto mehr Zugriff hat er auf die Konkurrenzmittel. Folglich machen sich die Kapitalisten durch die Konkurrenz ihr Interesse an einem möglichst hohen Profit2 gegenseitig als Notwendigkeit auf. In dieser Konkurrenz steckt eine Tendenz zum Monopol, weil die Konkurrenzfähigkeit von der Kapitalmacht abhängt. Marx fasst dies als Zentralisation des Kapitals3.

Die Arbeiterklasse ist sowohl von den Produktionsmitteln als auch von den Lebensmitteln ausgeschlossen und muss sich durch den Verkauf der eigenen Arbeitskraft einen Lohn verschaffen um leben zu können.

2. Die Notwendigkeit des Kredits aus der Bewegung des Kapitals

Die Produktion der Ware und ihr Verkauf, also die Verwertung des Kapitals, fallen nicht zusammen.

Deswegen ist erstens die Umlaufszeit ein Abtrag vom Zweck der Geldvermehrung. Denn das Kapital in Warenform und in Form zurückfließender Summen, die zu gering für eine Reinvestition sind, liegt als Schatz vor und widerspricht in dieser Form dem Zweck der Vermehrung4. Der Kredit ermöglicht den Umschlag vorwegzunehmen, und gehört notwendig zur Bewegung des Kapitals dazu5.

Zweitens braucht es den Kredit für die Größe der Kapitalmacht.

3. Die Spekulation im Kredit6

Für das Bankkapital ist das verliehene Geld durch das Verleihen Kapital. Der Verwertungsprozess besteht allein in der Dauer dieses Rechtsverhältnisses zwischen Bank und Unternehmen. Im Zins wird so getan als ob es am Geld liege, dass es sich vermehrt und nicht etwa an erfolgreich stattfindender Ausbeutung. Das Bankkapital spekuliert auf von ihm angeheizte Konkurrenzerfolge und tut dabei so als würden sie mit Sicherheit eintreten. Die Bank spekuliert auf die erfolgreiche Spekulation ihrer unternehmerischen Kunden. Dies ist der Widerspruch in der Spekulation beim Kredit.

4. Die Wirkung des Kredits auf die Konkurrenz

Das Bankkapital verkauft gegen ein Zinsversprechen die Kapitaleigenschaft des Geldes7. Es erlaubt dem Kreditnehmer über eine Summe befristet zu verfügen und sie als Mittel der eigenen Geldvermehrung zu benutzen. Dadurch wird die Eigenschaft des Geldes als Kapital zu wirken vom Eigentum am Geld abgetrennt und als Ware verkauft.

Die Kriterien des Bankkapitals für die Vergabe von Kredit sind die Sicherheit und Höhe des Zinses, die es gemäß der Erfolgsaussichten des Kredit nehmenden Industriekapitals in der Konkurrenz bestimmt. Dadurch entwickelt sich die Konkurrenz um Absatz fort zur Konkurrenz um Kreditwürdigkeit. Dies verschärft die Konkurrenz8. Denn je mehr Kapitalmacht ein Unternehmen hat, desto kreditwürdiger ist es.

Außerdem werden die Industriekapitale von ihrer Branche befreit, da die Erfolge in der einen, die Kreditwürdigkeit verschaffen, die es braucht, um in die nächste einzusteigen. So wird stets Kapital aus Branchen mit hoher Konkurrenz und geringer Profitrate abgezogen und in Branchen mit geringer Konkurrenz und hoher Profitrate verschoben. Dies sorgt für die Tendenz zum Durchschnittsprofit.

5. Die Verschuldung der Banken und der bargeldlose Zahlungsverkehr

Das Bankkapital verschuldet sich bei all seinen Kunden, indem es ihnen durch einen Zins die Verfügung über deren Geld abkauft. Diese Schulden benutzt es, um Kredite zu vergeben. Die vergebenen Kredite wiederum benutzt es als Sicherheit, um sich zu verschulden.

Weiterhin ersetzt es Einzahlungen bei ihm mit einer Gutschrift; auf dem Konto liegt kein Bargeld, sondern Buchgeld. Auch bei Krediten wird dem Kreditnehmer kein Bargeld in die Hand gedrückt, sondern ein Betrag auf seinem Konto gutgeschrieben. Im bargeldlosen Zahlungsverkehr zwischen den Banken werden diese Gutschriften miteinander verrechnet.

6. Die Banken als das allgemeine Interesse der konkurrierenden Kapitalisten

Somit hängt die Verzinsung der Guthaben und noch grundlegender der gesellschaftliche Zahlungsverkehr von der erfolgreichen Spekulation des Bankkapitals ab. Die Spekulation des Bankkapitals hängt davon ab, dass die Kapitalisten, die um Kredit konkurrieren mit diesem Kredit erfolgreich gegeneinander um Absatz konkurrieren. Somit vermitteln die Banken das allgemeine Interesse der Kapitalistenklasse am gesellschaftlichen Wachstum.

7. Die Verschmelzung von Industrie- und Bankkapital zum Finanzkapital

Im Wertpapier dreht sich das Kreditverhältnis um. Die Schuldner werden zu Emittenten9 eines Investments, dem Wertpapier. Dies führt dazu, dass man Bank- und Industriekapital zwar begrifflich voneinander trennen kann, aber real fallen sie zusammen. Bank- und Industriekapital (und Handelskapital) sind verschmolzen: Finanzkapital10. Die Tendenz zum Monopol in der kapitalistischen Konkurrenz der Einzelkapitale führt zu einer Oligopolisierung11 in fast allen Branchen. Diese Oligopolisierung ermöglicht erst die Trustbildung und Preisabsprachen sind zwar verboten, aber dennoch Realität12. Die Tendenz zum Durchschnittsprofit schafft diese nicht ab, sondern reproduziert sie als Branchen übergreifende Konzerne. An diesen wenigen Industriekonzernen sind einige Großbanken auf der Welt durch Wertpapiere beteiligt. Weiterhin kontrollieren diese Banken beinahe den gesamten gesellschaftlichen Zahlungsverkehr, haben also eine bedeutende Übersicht über den Verlauf der globalen Kapitalakkumulation. Dies führt dazu, dass die Konkurrenz eine Modifikation erfährt, nämlich dass die Anarchie des Marktes relativiert wird13.

8. Die Gleichsetzung vom Buchgeld der Banken und staatlichem Kreditgeld

Der Staat ergänzt seine formelle Erlaubnis zur Kreditschöpfung um ihreinhaltliche Anerkennung durch die Zentralbank. Die Banken können sich bei der Zentralbank verschulden, wenn sie geschöpfte Kredite als Sicherheit hinterlegen. Dadurch setzt die Zentralbank die Kreditschöpfung der Banken, deren Buchgeld, mit ihrem Kreditgeld, dem gesetzlichen Zahlungsmittel, gleich.

9. Nationales Kreditgeld, Finanzkapital und Staatsverschuldung

Außerdem ist die nationale Währung dadurch Kreditgeld und mit dem Anspruch auf Verzinsung ausgestattet. So wird die gesamte nationale Kapitalakkumulation und der Kapitalexport ein Beitrag zum Wert der nationalen Währung, weil sie das nationale Kreditgeld rechtfertigen. Die Rechtfertigung des Kreditgelds durch globales Geschäft bestätigt außerdem die Eigenschaft des nationalen Geldes allgemeines Äquivalent zu sein auf internationaler Ebene. Die stabile Werthaltigkeit des nationalen Geldes und seine internationale Gültigkeit als allgemeines Äquivalent, stiften das Interesse des internationalen Finanzkapitals an der Währung. Staatsschulden sind wegen ihrer Austauschbarkeit mit der jeweiligen Währung, deren verzinste Form. Somit sind sie Schatz ohne den Mangel an sich zu haben, kein Kapital zu sein. Folglich sind sie besonders relevant für das Liquiditätsmanagement der Banken. Eine Währung, die durch viel Geschäft gerechtfertigt wird, erlaubt dem dazugehörigen Staat eine billige und hohe Verschuldung beim internationalen Finanzkapital.

10. Die Abhängigkeit der imperialistischen Nation vom Finanzkapital

Weil mit dem Erfolg des Finanzkapitals die nationale Währung und somit der Erfolg jedes Einzelinteresses steht und fällt, besteht eine Identität zwischen allen Einzelinteressen in einem imperialistischen Land und dem Finanzkapital.

Allerdings steht das Finanzkapital hauptsächlich im Gegensatz zum Kleinbürgertum, Halbproletariat und Proletariat, außer der Arbeiteraristokratie. Zum Kleinbürgertum weil dies seinen feindlichen Kalkulationen als Grundeigentum und Kreditgeber ausgeliefert ist, und seiner Konkurrenz um Absatz als Industriekapital. Zu Proletariat und Halbproletariat weil die Industrie sie ausbeutet, die Banken sie auspressen, und das Grundeigentum sie ausnimmt. Die Intelligenz übernimmt Hilfsarbeiten für das Kapital oder den Staat und steht je nach Tätigkeit mehr oder weniger im Gegensatz zu Kapital und Staat, hat aber in der Regel objektive Gründe für die Revolution. Die Arbeiteraristokratie hat aufgrund des hohen Anteils des konstanten Kapitals an der Wertzusammensetzung ihrer Unternehmen eine privilegierte Stellung im Klassenkampf und wird an der Ausbeutung der Halbkolonien beteiligt und steht deshalb mehr in einem Verhältnis der Identität als des Gegensatzes zum Finanzkapital.

11. Der imperialistische Staat, das Finanzkapital und das Volk

Die Widersprüche der kapitalistischen Konkurrenz machen die Existenz des bürgerlichen Staats notwendig, um die ökonomische Herrschaft der Kapitalistenklasse aufrecht zu erhalten. Der bürgerliche Staat ist die politische Gewalt der kapitalistischen Gesellschaft, und jedes systemimmanente Interesse kommt nur als Erlaubtes zum Zuge.

Die Staatsgewalt hat die hoheitliche Verfügung über den nationalen Reichtum. Dieser liegt hauptsächlich in Form des Finanzkapitals vor. Auf dem nationalen Reichtum beruht die Staatsmacht. Weiterhin verschuldet sich der Staat beim internationalen Finanzkapital, um seine Finanzmittel auszuweiten. Seine Kreditwürdigkeit hängt hauptsächlich von der Härte seines Kreditgelds, also dem Erfolg des nationalen Finanzkapitals ab. Das staatliche Interesse und das des Finanzkapitals sind hauptsächlich identisch. Deshalb können sich die politischen Interessen, die sich im Staat verwirklichen wollen, nicht ignorant stellen, gegen diese Logik ihres Mittels.

Somit stehen zwar alle Klassen in Abhängigkeit zum Staat, wodurch eine gewisse Identität der Interessen gegeben ist, aber für Proletariat, Halbproletariat, Intelligenz und Kleinbürgertum ist die Seite des Gegensatzes die Hauptsächliche. Denn diese Klassen stehen hauptsächlich im Gegensatz zum Finanzkapital, und daher auch zum Staat. Sie bilden das Volk. Das Volk14 sind die Klassen, die objektive Gründe15 für die Revolution haben.

12. Der Drang von Kapital und Staat nach außen

Der maßlose Wachstumszweck des nationalen Kapitals steht im Widerspruch dazu, dass Reichtumsquellen existieren, die nicht der Hoheit seines Staats unterliegen. Der Staat ist parteilich für das Kapital, das die Grundlage seiner Macht ist. Weiterhin kann er den Widerspruch, dass das Kapital mit seinem Wachstum dessen Bedingungen untergräbt, und ihm somit Kosten aufhalst, wirtschaftspolitisch nur auf höherer Stufenleiter reproduzieren, nicht aufheben. Dadurch drängt dieser ihn zur Erschließung fremder Reichtumsquellen für sein Kapital.

Deshalb wendet sich der Staat nach außen, um die ökonomische Tätigkeit des nationalen Kapitals politisch zu betreuen und abzusichern.

13. Die imperialistische Weltordnung

In der westlichen Weltordnung, wie die USA sie nach dem zweiten Weltkrieg durchgesetzt haben, sind alle Staaten formell souverän. Das bedeutet, dass die Staaten ihr Interesse an den Reichtumsquellen in Verträgen formell Gleicher durchsetzen. Dafür werden alle Beziehungen zum Hebel gemacht (Waren- und Kapitalströme, insbesondere Waffen und Energie, Rohstoffe und Produktionsmittel, politischer Kredit). Zum Instrument, um sich souveräne Staaten unterzuordnen, eignen sich Wirtschaftsbeziehungen, weil sie, einmal eingerichtet, zum Beitrag zur nationalen Ökonomie und Staatsmacht der Partner werden, auf den diese nur zu ihrem Schaden verzichten können. Letztendlich allerdings ist es die blanke Gewalt, die die Fähigkeit eines Staates ausmacht sein Interesse als Recht zu setzen. So sind die Staaten zwar formell gleiche Souveräne, aber die internationalen Verträge und die von ihr formulierte Weltordnung sind Ausdruck eines Kräfteverhältnisses. Die ohnehin mächtigen Staaten ordnen die anderen unter und bringen eine Ordnung hervor, die ihren Vorteil garantiert.

a) Die USA als Weltmacht Nr. 1

Die USA haben sich durch den zweiten Weltkrieg militärisch und ökonomisch durchgesetzt. Sie hatten beinahe alle Vorräte der Geldware Gold bei sich monopolisiert und waren das einzige imperialistische Land, das nicht in Schutt und Asche lag. Folglich produzierten sie die Produktionsmittel für den Wiederaufbau und vergaben die Kredite für ihren Kauf. So wurden die imperialistischen Länder zum Mittel US-amerikanischer Reichtumsvermehrung.

Durch ihre militärische Überlegenheit und den Widerspruch von Imperialismus und Sozialismus konnten sie sich die Führung der imperialistischen Mächte sichern. Denn sie waren die einzige Militärmacht, die der Sowjetunion gewachsen war. Heutzutage sind die ehemaligen sozialistischen Länder Russland und China selbst imperialistische Großmächte.

b) Der Widerspruch zwischen den imperialistischen Großmächten

Die USA sind sowohl die Macht, die allgemeingültige Regeln der Weltordnung durchsetzt, als auch Teilnehmer am somit geregelten Weltmarkt. Als Teilnehmer steht ihr Interesse im Widerspruch zu allgemeingültigen Regeln. Dies ist praktizierbar, weil die USA sich als Macht mit den meisten Konkurrenzmitteln darauf verlassen können, dass eine freie Konkurrenz zu ihrem Vorteil ist.

Die anderen imperialistischen Großmächte16 (Russland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, China, Japan) haben ein Interesse an einer Weltordnung, da sie ihrem Finanzkapital sichere Kalkulationen, somit Kapitalexport und die globale Rechtfertigung ihres Kreditgeldes ermöglicht. Dennoch ist die Weltordnung auch stets ein Widerspruch zum nationalen Interesse der imperialistischen Großmächte, da sie Ausdruck der Widersprüche und des Kräfteverhältnisses zwischen den imperialistischen Großmächten ist.

c) Der Widerspruch zwischen Imperialismus und Halbkolonien

Die Halbkolonien stehen in Abhängigkeit zum Finanzkapital, da nur dieses die Kapitalmacht mobilisiert um ihre Standorte überhaupt am Weltmarkt zu beteiligen. Die Staatsgewalten vor Ort sind auf Kredite und Waffenlieferungen der imperialistischen Staaten angewiesen. Sie sind formell souverän, aber der Inhalt ihrer Politik wird durch ihre Abhängigkeit vermittelt von den imperialistischen Großmächten bestimmt.

Die Kapitalakkumulation in den Halbkolonien steht im Dienst am Kapitalexport der imperialistischen Nationen. Die Kompradorenbourgeoisie besteht hauptsächlich aus der Verschmelzung von Bank- und Handelskapital mit dem halbfeudalen Großgrundbesitz, schmarotzt an der Tätigkeit des Finanzkapitals in ihrer Nation und steht hauptsächlich in Abhängigkeit zu ihm. Die mittlere Bourgeoisie hat die Hoffnung aufzusteigen und ist stets von der Übermacht des Finanzkapitals bedroht. Das Proletariat steht in Abhängigkeit zur Bourgeoisie und wird von ihr ausgebeutet. Die armen und mittleren Bauern hängen vom Großgrundbesitz ab und werden von ihm halbfeudal ausgebeutet.

d) Die G20: Ein Instrument der imperialistischen Weltordnung

Bei den G20 treffen sich die imperialistischen Großmächte mit den wichtigsten sogenannten „Schwellenländern“. Dies sind die Halbkolonien, die die hauptsächlichen Ziele für den Kapitalexport der imperialistischen Großmächte sind, darüber Ansätze eines eigenen nationalen Kapitals entwickelt haben und dadurch selbst als Regionalmächte auftreten können. Sie ordnen sich mindestens einer imperialistischen Großmacht unter, um darüber Befugnisse und Befähigungen zu bekommen, ihr eigenes nationales Interesse zu verfolgen und werden somit zum Instrument für die imperialistische Weltordnung. Bei G20 geht es darum, dass die imperialistischen Großmächte und die Regionalmächte miteinander ihre Widersprüche verhandeln und die imperialistische Weltordnung organisieren. Hierbei kommen die Widersprüche zwischen den imperialistischen Großmächten und die zwischen Imperialismus und Halbkolonien zum Tragen. Die imperialistischen Großmächte versuchen die Regionalmächte für die imperialistische Weltordnung und ihre jeweiligen nationalen Interessen dienstbar zu machen, und die Regionalmächte versuchen durch diesen Dienst Machtmittel und -befugnisse zu erhalten.

14. Der Volkskrieg

Die höchste Form des Klassenkampfes17 ist der Volkskrieg, denn das Volk sind alle Klassen, die objektive Gründe für die Revolution haben, und der Krieg ist die Eskalation der Mittel zwecks der Machtergreifung. Der Volkskrieg stützt sich auf das Volk und nicht auf heldenhafte Individuen. Wegen dem Widerspruch von kommunistischem Zweck und nationaler Herrschaft, muss der Volkskrieg national geführt werden, denn jede Arbeiterklasse muss zunächst mit ihrer eigenen Bourgeoisie fertig werden. Weil die Macht der imperialistischen Staaten auf dem Kapitalexport beruht und die Macht der Staaten in den Halbkolonien auf der Unterstützung der imperialistischen Großmächte muss der imperialistischen Weltordnung der weltweite Volkskrieg entgegengestellt werden, die internationale Solidarität. Wegen dem Widerspruch zwischen Sozialismus und Imperialismus sollte der Aufbau des Sozialismus in einem oder wenigen Ländern durch den Volkskrieg in den übrigen unterstützt werden.

Der Volkskrieg ist die universelle Militärstrategie des internationalen Proletariats. Es ist der Krieg der entstehenden Diktatur des Proletariats18 gegen den alten Staat, ein langwieriger Krieg aus der Unterlegenheit heraus gegen eine überlegenen Feind. Eingedenk aller Widersprüche muss zwischen Volk und Feind geschieden werden. Weiterhin müssen sich die Widersprüche im Volk klar gemacht werden, um die eigenen Schwachstellen zu kennen. Außerdem müssen die Widersprüche im Feind bekannt sein, um seine Schwachstellen zu kennen.

Vor der Einleitung des Volkskrieges dient alle revolutionäre Arbeit der Vorbereitung des Volkskrieges. Nach der Einleitung des Volkskrieges dient alle revolutionäre Arbeit der Führung des Volkskrieges – sonst ist es keine auf die Revolution gerichtete Arbeit. Es muss unter Anwendung der Massenlinie in den Tageskämpfen des Volkes agitiert werden. Der Rechtsidealismus muss durch die Normalisierung des Rechtsbruchs und Agitation bekämpft werden, und die Rote Armee aufgebaut werden. Jeder Tageskampf ist eine Schlacht, denn den Feind überzeugen wir nicht mit schönen Worten, sondern mit der Klinge am Hals und dem Lauf an der Schläfe. Am Verhandlungstisch können wir nur durchsetzen, was wir auf dem Schlachtfeld schon gewonnen haben.

Außerdem ist der Volkskrieg mobilisierend, denn er zeigt der praktischen Unzufriedenheit im Volk, dass die kommunistische Revolution eine reale Möglichkeit ist, die Welt zu verändern.

Weiterhin müssen wir uns an der Front bewaffnen, um unabhängig zu bleiben, und die Kriegsgefangenen werden agitiert, um unsere Reihen wieder aufzufüllen. Der Volkskrieg hat den Zweck den Feind zu vernichten, dafür müssen die eigenen Kräfte erhalten und ausgebaut werden, doch die Vernichtung des Feindes ist die Hauptsache, denn nur, wenn wir den Feind vernichten, können wir siegen oder auch nur uns selbst erhalten.

Daraus folgt der Leitsatz: Strategie einer gegen zehn, Taktik zehn gegen einen. Das heißt, dass wir stets versuchen den Feind zu isolieren, ihn einkreisen und vernichten. Die Auseinandersetzung mit dem konzentrierten Feind wird vermieden. Schlachten werden gewählt, wenn man davon ausgeht, sie zu gewinnen, und dafür werden sie vorbereitet. So werden wir zwar im Ganzen gesehen dem Feind gegenüber unterlegen sein, aber in jeder Schlacht müssen wir dem Feind überlegen sein. Dadurch arbeiten wir uns aus der strategischen Unterlegenheit heraus, über das strategische Gleichgewicht hin zur strategischen Überlegenheit bis zum Sieg.

Dem gemäß gilt der Vorrang der Menschen vor Gebieten. Daraus folgt, dass wir ausgehend von Guerillagebieten versuchen Stützpunktgebiete zu erobern. Allerdings können wir auch wieder Stützpunktgebiete in Guerillagebiete umwandeln, sofern dies gemäß unserer Taktik notwendig ist.

Über diese Militärstrategie und die kommunistische Agitation und den Kampf durch die Rote Armee und die sonstigen Massen unter Führung der kommunistischen Partei werden wir langfristig überlegen sein, den Feind vernichten, den Staat zerschlagen und die Diktatur des Proletariats über die Stützpunktgebiete errichten.

15. Die kommunistische Partei

Der Volkskrieg als Weg zur proletarischen Revolution bedarf einer einheitlichen Führung. Denn insbesondere in der strategischen Unterlegenheit – aber auch in den anderen Phasen der Revolution – müssen alle revolutionären Kräfte einheitlich nach einem Plan auf einen Zweck hinarbeiten, um dem Feind gewachsen zu sein. Diese Führung ist die demokratisch-zentralistische, militarisierte, kommunistische Partei neuen Typs19. In ihr versammeln sich die bewusstesten Elemente des Volkes, insbesondere der Arbeiterklasse, mit der größten Bereitschaft zu den Notwendigkeiten der Revolution. Sie ist demokratisch-zentralistisch, denn der demokratische Zentralismus ermöglicht unter den Bedingungen des Volkskriegs den Linienkampf zu führen. Der Linienkampf ist notwendig, damit unter Anwendung des historischen Materialismus die Kritik der Verhältnisse und des falschen Bewusstseins, sowie die Revolutionstheorie als Schluss aus der Kritik erarbeitet werden können, damit diese Inhalte als Grundlage der Agitation gemäß der Massenlinie dienen und die Praxis anleiten können. Praxis und Theorie werden durch Kritik und Selbstkritik aneinander überprüft. Die Kader der Partei haben im Linienkampf die Grundlage ihrer revolutionären Disziplin, die eben keine blinde, sondern eine bewusste Disziplin ist. Der demokratische Zentralismus ermöglicht es den Linienkampf klandestin zu führen und ist somit die einzige Organisationsform, die den steten Bedingungen des Volkskriegs und seiner Vorbereitung angemessen ist. Militarisiert ist die Partei, weil sie ein Kriegsinstrument ist. Kommunistisch, denn ihr Zweck ist der Kommunismus, die kämpfende Bewegung zur Aufhebung aller Klassenwidersprüche und der Herrschaft des Menschen über den Menschen. Sie ist eine Partei neuen Typs, denn sie organisiert das Klasseninteresse des Proletariats, um die Massen zur Aktivität zu agitieren und ist somit grundsätzlich verschieden von den alten bürgerlichen Parteien.

Diese Partei aufzubauen ist unser Zweck.

Text als PDF: Imperialismus_Volkskrieg

1Vgl. Mao Tse Tung, Über den Widerspruch. Ausgewählte Werke Band I, S. 365-405, Josef Stalin, Über dialektischen und historischen Materialismus, Wladimir Lenin, Die Marxsche Lehre, Werke 21, S. 38-48, Friedrich Engels, Die Entwicklung des Sozialismus von der Utopie zur Wissenschaft, MEW 19, S. 202-209.

2Marx leitet die Maßlosigkeit des Profits im Kapital I, MEW 23 S. 147, 166 f aus dem Widerspruch von Quantität und Qualität im Geld ab, der durch die Akkumulation des Kapitals bloß auf höherer Stufenleiter reproduziert wird und nicht aufgehoben. Deshalb steht in der These auch, dass die Kapitalisten sich ihr I n t e r e s s e gegenseitig als Notwendigkeit aufmachen.

3Vgl. Das Kapital I, MEW 23, S. 654 f., Karl Marx.

4Vgl. Das Kapital II, MEW 24, S. 139 f., Karl Marx.

5Hiermit ist bereits die Zinsknechtschaftstheorie widerlegt. Der Kredit gehört notwendig zur Bewegung des Kapitals dazu. Das Bedürfnis nach Kredit entspringt der Maßlosigkeit des Kapitals, die im Widerspruch zu einer Sekunde Verharrung im Zustand des Schatzes steht. Folglich ist die Maßlosigkeit nicht in der Welt, wegen dem Zins, sondern andersherum.

6Die Thesen 3-6 behandeln Argumente aus dem Kapital III, MEW 25, S. 350-627, Karl Marx.

7Vgl. Das Kapital III, MEW 25, S. 350 f., Karl Marx.

8Das ist der materielle Ausgangspunkt der Zinsknechtschaftstheorie, die aber wie oben gezeigt, das Pferd von hinten aufzäumt.

9Der Emittent ist der selbstbewusst auftretende Schuldner. Er tritt nicht mehr als Bittsteller auf, der für das Zinsversprechen die Kapitaleigenschaft kaufen will, sondern verkauft auf dem Finanzmarkt eine Geschäftsgelegenheit. Er wird vom Käufer der Kapitaleigenschaft zu ihrem Verkäufer, und verschafft sich somit fremdes Geld, um es als Kapital für sich wirken zu lassen (Aktie, Anleihe).

10Der Imperialismus als höchstes Stadium des Kapitalismus, Werke 22, S. 189-309, Wladimir Lenin.

11Lenin spricht zwar von Monopolen, aber das widerspricht dem Wortsinn, denn mono bedeutet eins. Außerdem ist es gängig unter Ökonomen dem Wortsinn gemäß von Oligopolen zu sprechen, denn oligo bedeutet wenig.

12Relevant für die Erklärung der bürgerlichen Gesellschaft ist nicht die Rechtsordnung, sondern die Rechtswirklichkeit.

13Nur weil man zur Kenntnis nimmt, dass es heute das Finanzkapital gibt, heißt das nicht, dass man zurück zum Kapitalismus der freien Konkurrenz will. Das würde bedeuten, die Kritik an Ware, Wert, und Ausbeutung über Bord zu werfen und hätte mit Marxismus nichts zu tun.

14Dies ist ein polit-ökonomischer, materialistischer Volksbegriff.

15Dass diese Klassen objektive Gründe haben für die Revolution zu sein, bedeutet nicht zwangsläufig, dass sie subjektiv für die Revolution sind. Wäre das so, könnten wir uns die Agitation, den Aufbau der Partei, und den Volkskrieg auch sparen und die Massen hätten längst spontan den Kapitalismus überwunden. Die Erfahrung der Widersprüche der kapitalistischen Gesellschaft bringt stets wissenschaftliche Erkenntnis und notwendig falsches Bewusstsein hervor. Deshalb braucht es Agitation, um die wissenschaftliche Erkenntnis der Gesellschaft zu verbreiten. Das ist jedoch kein Grund in verzweifeltes Beleidigtsein darüber zu geraten, dass die Massen nicht so sind, wie man sie gern hätte. Solche idealistischen und in Konsequenz chauvinistischen Standpunkte findet man vor allem bei Antideutschen und vorgeblichen „Antiimperialisten“. Erstere suchen den Heiland in den USA, letztere bei Russland und den unterdrückten Völkern in den Halbkolonien.

16Nicht alle imperialistischen Länder sind imperialistische Großmächte, zB die Niederlande.

17Einige Aspekte des Volkskriegs wurden bereits von Marx und Lenin berührt. Vgl. Die Taktik des proletarischen Klassenkampfes, Werke 21, S. 63-68, Wladimir Lenin. Allerdings hat Mao Tse Tung das Konzept des Volkskriegs im Zuge der chinesischen Revolution ausgearbeitet, Vgl. Worte des Vorsitzenden, Mao Tse Tung.

18Vgl. Es lebe der Sieg der Diktatur des Proletariats, zu finden hier: http://www.demvolkedienen.org/index.php/de/t-theorie/t-dokumente/1303-es-lebe-der-sieg-der-diktatur-des-proletariats-zum-100-jahrestag-der-pariser-kommune

19Vgl. Lenin: Womit beginnen?, Werke 5, S. 5-13; Was tun?. Werke 5, 355-549; Brief an einen Genossen, Werke 6, 217-244; Stalin: Grundlagen des Leninismus, Werke 6, S. 149-164; Zu den Fragen des Leninismus, Werke 8, S. 19-54; Mao Tse Tung: Die Worte des Vorsitzenden Mao Tse Tung