Gegen die schwarz-rot-geile Fußballparty

Am Freitag – also heute – beginnt die Fußballeuropa-meisterschaft der Herren und jeder vernünftige Mensch versucht die U3 zu vermeiden.

Die objektive Gemeinsamkeit zwischen den Biertrinkern auf dem Heiliggeistfeld und den Ballspielern auf dem Fußballfeld ist die deutsche Staatsbürgerschaft. Herzlichen Glückwunsch. Die BRD hat gesagt:“Dein Arsch gehört mir!“ Deutschsein. Das ist ein staatlicher Gewaltakt. Der Staat schreibt in sein Recht, wer dazu gehört und wer nicht.

Doch Nationalisten sehen das anders. Sie sehen sich als Teil einer Wesensgemeinschaft, die jenseits vom Staat existiert. In ihrem Kopf wird das Staatsvolk nicht durch staatliche Gewalt definiert. In ihrem Kopf dreht sich das Verhältnis von Staat und Volk um. Nationalisten glauben, dass der Staat so etwas wie ein riesiges Selbstverwirklichungsprojekt eines nationalen Wesens ist. Hier bin ich deutsch, hier darf ich’s sein. Ob die Proleten in Billstedt, den Banlieues und der Bronx vielleicht nicht nur bezüglich der Klassenlage, sondern auch bezüglich der Kultur mehr miteinander gemeinsam haben, als mit ihrer in St. Tropez feiernden Großbourgeoisie sei mal vorsichtig angefragt? Und selbst wenn hier alle das Oktoberfest geil finden würden, wäre das trotzdem kein Argument für Deutschland. Dann betrinkt man sich eben in Dirndl und Tracht und frisst Weißwurst und Brezen, aber auch das begründet keinen Ruf nach Herrschaft.
Auch wie aus einer gemeinsamen Sprache, also der Form von Gedanken, die Notwendigkeit eines gemeinsamen Staats folgen soll, bleibt unklar. Auf die Frage, was ein Volk ist, gibt es nur eine objektive Antwort: Staatliche Sortierung von Menschenmaterial per Gesetz.

Für Nationalisten ist die postulierte Gemeinsamkeit auch Grund genug einfach mal so richtig dafür zu sein. Für Deutschland. Sei es im imperialistischen Gerangel in Europa und dem Nahen Osten oder seiner Simulation auf dem Rasen, der die Welt bedeutet. Man ist Deutscher, also ist man auch dafür. Und mir nichts, dir nichts ist die Klassengesellschaft mit all ihren Gegensätzen glatt gebügelt. Das nationalistische Bewusstsein, das von den Widersprüchen im Volk nichts wissen will, findet in der Bräsigkeit von Alkoholrausch und Sonnenstich beim Public Viewing seinen angemessenen Ausdruck.

An der Unterworfenheit unter ein staatliches Regime, das einem die Klassenherrschaft der Kapitalisten einbrockt, Elend und Terror über die ganze Welt bringt, die davor Fliehenden im Mittelmeer verrecken lässt oder in Turnhallen einpfercht, das Patriarchat gemäß seinem Interesse an Bevölkerungsentwicklung und nationaler Arbeit betreut, die Konterrevolution in der Türkei unterstützt, und unzählbar viel mehr Grauen über die Menschheit bringt, gibt es nichts zu feiern.

Klassenkampf statt Vaterland!

Kommt zu unsereren Veranstaltungen am 16.06 um 19.15 in der Bartelsstraße 21 zur Kritik des Staats und am 21.07 am gleichen Ort zur gleichen Zeit zur Kritik der Nation. Dann sollte auch klar werden, warum Staaten und Nationen scheiße sind.

Lest euch zur Vertiefung diesen Artikel durch: http://www.gegenstandpunkt.com/gs/2006/3/gs20063c05h2.html