Feminismus muss praktisch werden: Für bewaffnete Frauenverbände gegen rape culture

Die Prominente Gina Lisa Lohfink muss 24.000€ zahlen, weil sie zwei Männer der sexuellen Nötigung bezichtigt hat, die sie auf einem Video dokumentiert vergewaltigen. „Die Welt“ fragt sich etwas verklausuliert, ob eine Frau, die mit ihrer Attraktivität Geld verdient, überhaupt als Opfer anerkannt werden könnte: „Und dieses öffentliche Bild könnte ihr jetzt vor Gericht zum Verhängnis werden. Lohfink gilt als ausgebuffte Geschäftsfrau, die ihre optischen Attribute immer als Waffe im Kampf um Aufmerksamkeit benutzt hat. Sie hat sich die Brüste vergrößern und die Lippen aufspritzen lassen. Kann man einer wie ihr die Rolle als argloses Opfer tatsächlich abkaufen?“

Es ist dieselbe Logik, die hinter dem Gebot von Kopftüchern und dem Verbot von kurzen Röcken steckt. Wenn eine Frau die Tugend der Keuschheit und die dazugehörigen Symbole vermissen lässt, wäre sie eine Schlampe und an sexueller Gewalt gegen sie dann im Grunde selbst schuld. Eine Frau, die versucht attraktiv zu sein, sei es um damit Geld zu verdienen, oder um mit jemandem im Bett zu landen, ist nach den Regeln des Patriarchats eine Schlampe. Nicht selten wird sie dann zum Freiwild erklärt. Wie ein Mann letztens in einem Streit zu uns meinte: “Du legst ja auch nicht ein Stück Fleisch vor einen Wolf, und wunderst dich dann, dass er es frisst.“ Diese Logik erklärt das Begehren des Mannes zu seiner Natur auf die er ein Recht habe, und streicht den Willen der Frau durch. Oft gehen sie noch weiter, und behaupten, eine Frau, die nicht gefickt werden wolle, würde ja wohl nicht so herumlaufen. Dem ist zu entgegnen, dass selbst, wenn man sich kleidet und schminkt, um attraktiv zu sein und Sex zu haben, heißt das noch lange nicht, dass man mit jedem, der sich einem aufdrängt, Sex haben will. Mag ja sein, dass ich ficken will, aber wer sagt mit dir?!

Es ist gut und richtig dieses Denken in Kampagnen und Diskussionen zu kritisieren. Aber das ist nicht genug. Wenn ein Wille feindlich ist und zur Gewalt schreitet, gilt es ihn mit Gewalt zu brechen. In Indien haben feministische Massenorganisationen wie die Gulabi Gang eine adäquate Antwort auf die rape culture gefunden. Die Gulabi Gang hat sich mit Holzknüppeln bewaffnet, um Vergewaltiger zu bestrafen. Dies ergänzt die Agitation gegen das Patriarchat um feministische Gewalt, um sich gegen das Patriarchat zu wehren.

Auch in Deutschland braucht es solche feministischen Organisationen, die der Gewalt des Patriarchats ihre eigene organisierte Gewalt entgegen setzen und es ist die Aufgabe kommunistischer Organisationen solchen antipatriarchalen Widerstand zu organisieren.

https://www.welt.de/vermischtes/article155887115/Gina-Lisa-Lohfink-vor-Gericht-als-Hure-beschimpft.html