Die Heuchelei der Macht

Eine junge Geflüchtete schildert Bundeskanzlerin Dr. Merkel ihr Leid. Als aus dem Libanon geflohene, geht ihr hierzulande ein entscheidendes Kriterium ab, um in der kapitalistischen Konkurrenzgesellschaft überhaupt mitmachen zu dürfen: die staatliche Anerkennung als rechtsfähige Person. Stattdessen ist sie einem „laufendem Asylverfahren“ ausgeliefert.

Was fällt Merkel dazu ein?

Die Geflüchtete sei ein „unglaublich sympathischer Mensch, aber“ man könne ja nicht alle aufnehmen. Diese eklige Heuchelei der Macht ist es, die bürgerliche Politiker an den Tag legen, wenn sie auf das von ihnen wesentlich mit erzeugte massenhafte Elend blicken.

Ihnen fällt ein, dass es Menschen sind (ach was!), aber alle aufnehmen gehe ja nicht. Darin steckt nicht ein Problem der Versorgung mit Wohnraum, Essen oder Kleidung. Es geht ihnen um ganz andere Kriterien, die eben absehen von den Bedürfnissen der Menschen. Für den Deutsch-Europäischen Erfolgsweg sind die Überflüssigen des Trikonts in den meisten Fällen ohne Interesse. Die Unterschiede der Kapitalstandorte sowie die jüngsten Krisenprogramme innerhalb der EU sorgen schon dafür, dass es innerhalb der Grenzen des Schengenraums genug billige, willige Arbeitskräfte gibt. Egal ob Bulgarien, Spanien oder Griechenland, durch innereuropäische Konkurrenz und Krisenbewältigung sind massenhaft Menschen in der EU so verarmt, dass sie bereit sind, für Hungerlöhne zu arbeiten.
Da sind z.B. die Tausenden in libanesischen Flüchtlingslagern vom Standpunkt dieser Ökonomie und dieses Staates aus schlicht unbrauchbar.

Kein Wunder also, dass Merkel ohne mit der Wimper zu zucken der Geflüchteten ins Gesicht spucken kann, dass die Regierung Asylverfahren beschleunigen will, damit die Leute schneller abschiebbar sind.
Beim emotionalen Ausbruch der Geflüchteten ist sich „unsere“ Kanzlerin dann auch nicht zu schade sie zum Beispiel dafür zu nehmen „in welche Situation man kommen kann“.

Aber immerhin:
Frau Merkel ist sich nicht zu schade dem personifizierten Elend den Kopf zu tätscheln und demonstriert so die berühmte „Nähe zum Menschen“. Für die Opfer des kapitalistischen Alltags hat „Mutti“ – und mit ihr die ganze Nation – allemal etwas Mitleid übrig.

Schön, dass auch die Herrschaft angesichts der von ihr eingerichteten Zustände noch ganz Mensch geblieben ist.