Arbeitsgeschichten #4: Mit dem Kanaken kann man’s ja machen.

In der Halle wird geschweißt, vor der Tür wird geraucht. Plötzlich kommen die Bullen. Schlagstock in der Hand, bewaffnet und ready. Einer von den rauchenden Kollegen scherzt:“Sie holen endlich den Meister ab.“

Die halbe Geschäftsführung läuft mit ihnen durch die Halle bis zur Umkleide und führen einen Kollegen ab. In der Mittagspause stellt sich raus, der Kollege, ein migrantischer, ungelernter Leiharbeiter mit schlechten Deutschkenntnissen, war im Büro, um über seinen Urlaub zu sprechen. Der Meister hat sich die Auseinandersetzung gespart, indem er dem Kollegen gesagt hat, dass er sowieso nächste Woche „bei der Leihbude abgemeldet“, also entlassen wird. Daraufhin hat der Kollege einmal den Schreibtisch samt Kaffemaschine abgeräumt und ist gegangen.

Üblich ist es, dass man Leiharbeitern am Feierabend des letzten Arbeitstages erzählt, dass sie nicht mehr wiederkommen müssen. Über die Demütigung des Kollegen, es ihm so früh zu eröffnen, gab es Empörung in der Belegschaft. Denn die Abmeldung sagt wie eine Entlassung aus, „du taugst nichts“. Trotzdem sollte er noch zum Dienst aufmarschieren und sich mitleidigen Blicken oder gar Häme aussetzen. Andere Kollegen haben sich rassistisch darüber lustig gemacht, dass ja klar ist, dass „die“ irgendwann alle ausrasten.

Für den Kollegen bedeutet das jetzt nicht nur die Abmeldung beim Betrieb, sondern auch die fristlose Kündigung bei der Leiharbeitsfirma, wegen der Anzeige. Folglich 12 Wochen Sperrzeit beim Amt. Kein Geld.

Wo unsere Abhängigkeit vom Kapital nicht die gewollte Bereitschaft, jede Scheiße zu fressen, die sie uns auftischen, herbei zwingt, hilft der Staat mit direkter Gewalt und seinem Sozialgesetz nach.

Doch das gelingt ihnen nur, wenn wir uns durch den Konkurrenzindividualismus und den Rassismus spalten lassen. Wenn jeder auf sich guckt, und nicht auf seine Kollegen, geht jeder von uns unter. Wenn wir den Rassismus unserer Kollegen dulden, spielen sie uns gegeneinander aus. Wir müssen Rassismus und Individualismus agitatorisch bekämpfen und den Klassenkampf entfalten.